Hörbuch-Empfehlungen

Stricken und Hörbücher – das passt einfach gut zusammen. Während man einfache oder auch etwas kompliziertere Strickstücke herstellt, kann man wunderbar nebenbei Geschichten folgen. Heute möchte ich euch ein paar Hörbücher empfehlen, die nicht nur einfach gut waren, sondern auch in der Strickwelt spielen. Denn, was passt besser zum Stricken als dabei einem Hörbuch zu lauschen, in dem es ums Stricken geht?!

Ich bin zur Zeit etwas gehandicapt: Ich kann/darf gerade nicht stricken/spinnen, weil ich durch Wassereinlagerungen jetzt am Ende der Schwangerschaft wahrschienlich das Karpaltunnelsyndrom in beiden Handgelenken habe. Nicht schön, sondern schmerzhaft. Handarbeiten jeglicher Art sind also im Moment nicht drin, was meiner Stimmung nicht gerade zuträglich ist. Da ich es aber eben nicht ganz ohne Handarbeiten aushalte, dachte ich mir, ich lasse euch an Hörbüchern teilhaben, die mit Handarbeiten zu tun haben und die mir ans Herz gewachsen sind.

Disclaimer: Bei den vorgestellten Hörbüchern handelt es sich um die englisch-sprachigen Hörbücher, die ich über die Audible-App höre. Ich habe nicht recherchiert, ob bzw. wann deutschsprachige Vertonungen erscheinen. 


The Yarn Whisperer

Autorin Clara Parkes, die einigen von euch vielleicht von knittersreview.com bekannt ist, kennt sich mit Stricken und Wolle ziemlich aus. Sie hat die Kompendien „The Knitters Book of Wool“, „The Knitters Book of Yarn“ und „The Knitters Book of Socks“ veröffentlicht und teilt ihr Wissen zu Fasern und Garnen u.a. auch in Craftsy-Kursen, die ich sehr empfehlen kann.

The Yarn Whisperer ist ihr erstes Buch, das sich außerhalb der typischen Strickbücher befindet, aber trotzdem mit Stricken und Co. zu tun hat. In 22 Kapiteln/Essays beschreibt Clara Episoden aus ihrem Leben, die alle irgendwie mit Handarbeiten zu tun haben und im Vokabular von uns Stricker_innen formuliert sind.

Ein wunderbares, kurzweiliges Buch, das noch mehr gewinnt, da es von der Autorin selbst (und ebenfalls ganz wunderbar!) gelesen wird.

Knitlandia

Knitlandia ist sozusagen die Fortsetzung von Yarn Whisperer. Clara Parkes erzählt auch hier aus ihrem Wolligen Leben. In diesem Buch nimmt sie uns auf eine Weltreise zu den unterschiedlichsten Wollfesten und Wollläden. Man lernt die Besonderheiten kennen und ich für meinen Teil habe nach dem Hören beschlossen, dass ich unbedingt einmal nach Island auf eine Strickreise muss. (Tatsächlich war die Reise schon so gut wie geplant für dieses Jahr, dann hat sich aber unser kleines großes Abenteuer „wir werden Eltern“angekündigt und so muss die Reise noch ein bisschen auf sich warten.)

Die Geschichten sind sehr inspirierend und es macht Spaß, Clara bei ihren Reisen zu folgen. Die Stricker_innen-Community ist eine wunderbare, offene und ich bin froh, auch dazu zu gehören.

Auch dieses Buch liest Clara wieder selbst. Es ist nicht nur nett, dass die Autorin ihre Geschichte(n) selbst vorliest, Clara hat, finde ich, eine tolle Stimme und es wirkt irgendwie noch authentischer die Geschichten aus ihrem Mund zu hören.

Seaside Knitters Series

Sally Goldenbaums Krimi-Serie spielt in einem kleinen Fischerdorf am Meer in Massachusetts. Zentrum ist eine Gruppe Strickerinnen, denen man nicht nur dabei über die Schulter schaut, wie sie Garne und Strickanleitungen im lokalen Garnladen aussuchen, sondern auch, wie sie Morde und Geheimnisse im idyllischen Sea Harbor aufklären.

Ein bisschen erinnern mich die Figuren und die Geschichten an Miss Marple, nur dass eben nicht nur eine kluge Frau die Morde aufklärt, sondern die Frauengruppe hier zusammen die Puzzleteile zusammensuchen – und nebenbei Mützen, Schals und Cardigans stricken.

Die Figuren sind alle mit glaubwürdigen Hintergründen und Motiven ausgestattet, die Beziehungen untereinander werden schön herausgearbeitet und die Morde sind nicht offensichtlich – man überlegt mit wer und warum der Mörder ist und verfolgt gespannt, wie die Seaside Knitters das Puzzle langsam zusammensetzen und den Mörder entlarven.

Ich mag Krimis sowieso gern und diese Reihe hat es mir besonders angetan und ich empfehle jeder/jedem Stricker_in zumindest mal reinzuhören, wenn ihr etwas für Krimis übrig habt. Auch hier wird wieder deutlich wie wunderbar die Strick-Community ist. Besondere Highlghts sind für mich, wenn ein Garn, eine Zeitschrift, die ich selbst kenne, in dem Buch kurz erwähnt wird. Das sind kleine Easter-Eggs, mit denen sicher nur Stricker_innen etwas anfangen können, die aber sehr subtil und passend eingeflochten werden.

Gelesen werden die Bücher von Julie McKay, die durch den Einsatz ihrer wunderbaren Stimme jeder Figur Leben einhaucht. Es macht einfach Spaß, ihr zuzuhören.

Ich höre zur Zeit den dritten Teil der Reihe. Insgesamt sind 11 Teile erschienen, der 12. Band wird noch in diesem Jahr veröffentlicht.


Vielleicht stößt das ein oder andere Hörbuch bei euch auf Interesse – das würde mich sehr freuen! Mich würde aber auch interessieren, welche Hörbücher, die vielleicht auch irgendwie etwas mit Handarbeiten zu tun haben, ihr gut findet und ihr empfehlen würdet!

Rez.: Jane Austen "Mansfield Park"

Beim Stöbern in der Audible-Bibliothek bin ich letztes Jahr irgendwann auf „Mansfield Park“ von Jane Austen gestoßen. Ich liebe die Filme „Pride and Prejudice“ (2005 mit Keira Knightley) und „Persuasion“ (2007). Als ich dann das Hörspiel „Mansfield Park“ mit  Benedict Cumberbatch („Sherlock“) und David Tennant („Doctor Who“, „Broadchurch“) sah, musste ich es einfach hören. Logischerweise ist das Hörspiel englischsprachig.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Fanny Price wird zu ihren Verwandten geschickt, um dort aufzuwachsen. Für das junge Mädchen ist es nicht einfach, doch ihre Freundschaft mit Edmund macht es ihr einfacher – bis er sich in eine andere verliebt.

Ich will gar keine Literaturanalyse und literarische Einschätzung von Jane Austens Werken hier geben. Dafür sind andere viel besser geeignet. Ich persönlich fand „Mansfield Park“ nicht so stark wie „Pride & Prejudice“ oder „Persuasion“. Der Konflikt ist zwar da, aber deutlich schwächer als es mir bei den beiden anderen Geschichten vorkommt. Doch es hat Spaß gemacht die Geschichte zu hören. Ganz begeistert bin ich (obwohl es kaum möglich erschien, weil ich eh schon ein begeisterter Fan bin) von David Tennant, der in der Nebenrolle als Tom glänzt. Sein laxer Ausdruck lässt die Figur sehr real wirken, während alle anderen im Kontrast dazu steif klingen. Gerade, wenn man die Klassiker gern lesen möchte, aber irgendwie noch keinen richtigen Zugang gefunden hat, sind Hörbücher ein guter Einstieg finde ich. In der Originalsprache mit britischem Akzent und als Hörspiel ist dieser Klassiker jedenfalls wirklich hörenswert.

Rez.: Kerstin Gier Silber-Trilogie

Nachdem ich letztens die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier rezensiert habe, ist nun die Silber-Trilogie dran. Auch diese Bücher von Kerstin Gier habe ich als Hörbücher gehört, gelesen von Simona Pahl.

Als Liv Silber komische Träume hat, in denen sie unter anderem ihren neuen Stiefbruder und seine Freunde trifft, denkt sie sich erst einmal nichts dabei. Erst als ihr klar wird, dass irgendetwas mit diesen Träumen nicht stimmt, sie zu real sind um einfache Träume zu sein, wird ihr unheimlich zumute.

Auch diese Reihe von Kerstin Gier ist eine Fantasy-Geschichte mit drei Büchern. Wieder wird Witz und Humor eingesetzt, um den Figuren Leben einzuhauchen. Keine der Figuren kommt platt daher, selbst die Nebencharaktere sind mit Motivationen ausgestattet, die sie real wirken lassen. Ein besonderes Schmankerl (neben Lottis Vanillekipferl) sind die Blogbeiträge von Secrecy, die über ihre Mitschüler_innen und Lehrer_innen gleichsam schonungslos berichtet. Und natürlich gibt es auch hier wieder eine Liebesgeschichte zwischen der Hauptfigur und einem der Jungs. Kerstin Gier schafft es hier, klassische Themen des Erwachsenwerdens für eine junge Leserschaft neu aufzubereiten. Mit der Edelstein-Trilogie und der Silber-Trilogie schafft sie es zudem Fantasygeschichten in der realen Welt anzubinden. Fanatsy schreiben ist schon schwer genug, das ganze aber so zu schreiben, dass es in unserer realen Welt angedockt ist, ohne dass es aufgesetzt oder fehl am Platze erscheint, ist eine wirklich bemerkenswerte Leistung. Für mich liegt genau darin (neben den glaubwürdigen Charakteren) auch die Besonderheit von Giers Werken.

Rez.: Kerstin Gier Edelstein-Trilogie (Rubinrot, Saphirblau, Smaragdgrün)

Im letzten Jahr war ich viel unterwegs. Mit dem Zug und zweimal auch Langstrecken-Flüge. Außerdem stricke ich gern. Da ich nicht, wie bspw. Amy Herzog, stricken und gleichzeitig lesen kann, sind Hörbücher für mich zum einen unterwegs zum anderen aber auch Zuhause eine gute Möglichkeit um nebenbei meine Strickstücke weiter wachsen zu lassen. Aus dem entweder-oder ist ein als-auch geworden. Über Audible kann man sich einzelne Hörbücher kaufen oder ein Abo (9,95€ pro Monat) abschließen, bei dem ein Hörbuch pro Monat inklusive ist, jedes weitere Hörbuch kostet dann 9,95€. Bei sonst sehr hohen Preisen für Hörbücher lohnt sich das Abo für Vielhörer, zumal man nicht zwingend jeden Monat ein neues Hörbuch über das Abo kaufen muss, sondern sich das Guthaben auch aufheben kann.

Mein Lese-Geschmack ist ziemlich breit. Neben Klassikern, die ich seit meinem Germanistik-Studium liebe (z.B. mittelhochdeutsche aventiuren), liebe ich alles von Max Frisch, habe einen Faible für Vampirgeschichten (ja, ich habe die Twilight-Reihe verschlungen, davor habe ich als Jugendliche aber auch schon Anne Rices Vampirchroniken geliebt), und ich gebe zu, dass mich auch eine gut geschriebene Liebesgeschichte zum schmelzen bringen kann. Eine besondere Leidenschaft habe ich allerdings für Jugendromane. Um ganz ehrlich zu sein, hat es mit Harry Potter angefangen. Und zwar als Hörbuch. Ich fand den ganzen Hype übertrieben und wollte daher die Bücher gar nicht lesen bzw. hören. Mein damaliger Freund (und heutiger Ehemann) hat mich dann aber überredet doch wenigstens mal reinzuhören. Und ich bin dem Universum seit dem verfallen. Für meine Magisterarbeit habe ich mir Kinder- und Jugendbücher, die in der DDR auf dem Leseplan standen vorgenommen. Und bis heute fühle ich mich in Jugendromanen genauso wohl wie in „ernster“ Literatur.

Es gibt meiner Meinung nach wenige richtig gute Jugendromane und noch weniger gute Autor_innen. Eine Große ist natürlich Cornelia Funke, die mich mit ihrer Tintenwelt-Reihe einfach bezaubert hat. Kerstin Gier kommt mit ihrer Edelstein-Reihe nahe dran. Die Story ist natürlich eine ganz andere, zwar auch mit sehr fantasievollem Plot, geht es doch um Zeitreisen, aber eben nicht ganz so außerweltlich wie Funkes Universen.

Edelstein_TrilogieDie Edelstein-Trilogie ist die Geschichte von Gwendolyn, die unerwartet das Zeitreise-Gen geerbt hat und nun zusammen mit Gideon (ja, es gibt eine süße Liebesgeschichte) Zeitsprünge macht, um Aufgaben für die „Loge des Grafen von Saint Germain“ zu übernehmen. Gwendolyn ist von der Geheimnistuerei der Loge sehr genervt und versucht herauszufinden, was das ganze eigentlich auf sich hat.

Die ersten beiden Teile („Rubinrot“ und „Saphirblau“) sind als ungekürzte Fassungen (unabridged) bei Audible verfügbar. Gesprochen werden die Geschichten jeweils von Josefine Preuß und Maria Ehrich. Den dritten und letzten Teil („Smaragdgrün“) gibt es bei Audible in deutsch nur als gekürzte Fassung. Ich habe daher die dort ebenfalls erhältliche englischsprachige Fassung („Emerald Green“, gesprochen von Marisa Calin) gehört, weil diese ungekürzt war. Alle drei Teile sind sehr gut gesprochen. Jedes gute Buch kann durch eine_n schlechte_n Sprecher_in zu einer öden Geschichte verkommen, bei der man sich denkt, dass man es lieber selbst lesen wollen würde. Der Sprachwitz, mit dem Kerstin Gier ihre Geschichten erzählt, kommt durch die professionellen Sprecherinnen deutlich zum Vorschein. Es macht Freude, diesen Frauen zuzuhören und den Figuren mit Ausdruck in der Sprache Leben einzuhauchen.

Rez.: Alle sieben Wellen (Hörbuch)

Mit einer etwas längeren Unterbrechung hab ich nun endlich das Hörbuch „Alle sieben Wellen“ von Daniel Glattauer zuende gehört – natürlich beim Stricken. Das Buch ist die Fortsetzung von „Gut gegen Nordwind“, was ich ganz grandios fand. Geschrieben ist die Geschichte nämlich als Email-Konversation, und „Alle sieben Wellen“ setzt die nicht abgeschlossene (Liebes-) Geschichte um Emmi und Leo fort – ganz bezaubernd und diesmal mit Ende!
Wer „Gut gegen Nordwind“ mochte sollte auf jeden Fall auch „Alle sieben Wellen“ lesen oder hören, ich finde „Gut gegen Nordwind aber besser. Vielleicht lag es daran, dass ich es als Buch gelesen habe und diesmal eben das Hörbuch gehört habe. So ganz beschreiben kann ich den Unterschied gar nicht.
Zur Zeit lese ich übrigens – leider leider – sehr wenig, eigentlich überhaupt nichts. Abgesehen natürlich von Literatur zur Diss. Und das macht mich irgendwie traurig. Erstens, weil ich noch zwei Bücher auf dem Nachttisch liegen habe, zweitens, weil „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ herauskommt, und drittens, weil ich schlichtweg keine Person sein will, die keine Belletristik liest. Das hat eigentlich immer zu mir gehört und zur Zeit fehlt mir das, aber aus irgendeinem Grund greife ich dann abends doch nicht zum Buch, sondern lieber zum Strickzeug.

[nachgetragen] Rez: Der Geschmack von Apfelkernen (Hörbuch)

Ist zwar schon ein bisschen her, aber in dem neuen Blog wird natürlich auch rezensiert. Bitteschön!

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Familiengeschichten. Oder ich sollte besser sagen: bis jetzt. „Der Geschmack von Apfelkernen“ ist ein wunderbares kurzweiliges Hörbuch. Eine schöne Sprache und gut gelesen. Ich habe es an einem Wochenende zum Stricken gehört und das passte irgendwie ganz gut zusammen.
Ich würde nicht unbedingt sagen, dass es sich um weltklasse Literatur handelt, aber es ist eine unterhaltende Geschichte, die mich auch angeregt hat, über meine Familie nachzudenken. Außerdem gehe ich jetzt an Familiengeschichten nicht mehr vorbei, sondern werfe eher mal einen Blick hinein.