Fertiggestrickt: Houlland Hap

Ich bewundere immer wieder delikat gestrickte Lace-Shawls. Of bestehen sie aus mehr Löchern als Faden, und genau das macht die Besonderheit dieser Tücher aus. Lace ist aber nicht gerade anfängertauglich – man muss sich schon ein bisschen konzentrieren. Und während ich bei stranded colour work mein Gestricktes „lesen“ kann und in der nächsten Reihe weiß, wohin welche Farbe gehört, so finde ich Lace unübersichtlicher. Lace-Stricken ist für mich persönlich schwieriger als mit mehreren Farben stricken.

Als Kate Davies „Book of Haps“ herauskam, musste ich es natürlich haben. Und ich habe mir fest vorgenommen, viele der Tücher aus dem Buch zu stricken, einfach weil sie so schön sind und ich denke, dass es kaum ein schöneres Accessoire gibt, als ein handgestricktes Tuch.

Gesagt, getan, habe ich letztes Jahr in unserem USA-Urlaub den Houlland Hap von Donna Smith aus Kate Davies Buch angeschlagen. Wir haben in jeder Stadt unseres Roadtrips ein kleines Video gemacht, wie ich an dem Tuch stricke. Falls ihr mal reinschauen wollt: Die Videos sind mittlerweile auch bei YouTube.

Stricken in New York

Haps, das beschreibt Kate Davies in ihrem Buch, sind Tücher, die traditionell von außen nach innen gestrickt werden. Houlland wird ebenfalls so gestrickt. Zunächst strickt man die Bordüre von rechts nach links und strickt dann an der langen Seite die Maschen für das Innere des Shawls. Das bedeutet auch, dass man erstmal einen langen dünnen Streifen strickt, dann recht viele Maschen aufnimmt, dann aber von Reihe zu Reihe weniger Maschen auf der Nadel hat. Am Anfang des Innnelebens dauert jede Reihe also etwas länger, nach und nach wird man aber immer schneller. Anders als bei Dreieckstüchern, die ich bisher gestrickt habe, die mit ein paar Maschen anfangen und wo man dann von Reihe zu Reihe mehr Maschen zunimmt. Die Reihen werden immer länger und dementsprechend dauert es immer länger, bis man durch eine Reihe durch ist. Haps sind da anders konstruiert.

Gestrickt habe ich mit der Fairalpaka Lace in HF197 heather. Eine tolle Farbe! Ich liebe Heatherfarben, weil der Faden aus mehreren Farben besteht. Beim Stricken kann man die einzelnen Farben bewundern, die der Wolle eine schöne Tiefe geben. Ich hab ungefähr 100g, also zwei Knäule verbraucht. Die Lace ist echt ergibig! Es handelt sich nicht um ein kleines Tüchlein, sondern ein schönes mittelgroßes Tuch und trotzdem hab ich noch ungefähr die Hälfte des 200g-Parks übrig. Die Lauflänge beträgt ca. 400m pro 50g.

Gestrickt habe ich mit 3,5mm KnitPro Nadeln aus meinem Symfonie-Rose-Set. Alpaka und Holznadeln gehören für mich zusammen, weil Alpaka bei Stricken für mich mehr Grip auf der Nadel haben muss, sonst rutschen mir die Maschen von der Nadel. Das Tuch war der Grund, warum ich mir vor ein paar Wochen auch endlich mal Matten und Nadeln zum Blocken gekauft habe. Das Tuch habe ich also schön gebadet und dann ordentlich gespannt auf den Matten festgepinnt. Den unterscheiden zwischen dem fertiggestrickt en und dem geblockt Tuch kann man deutlich erkennen. Das Lochmuster öffnet sich durch das Spannen sehr schön.

Gekauft habe ich mir von Knit Picks die Spannmatten und von KnitPro die T-Nadeln und die Kammnadeln.  Der Vorteil von den Kammnadeln ist, dass gleich mehrere Pins in einem der Stücke angebracht sind. Für gerade Linien ist das sehr praktisch. Für die Spitzen im Lacetuch hingegen sind die T-Nadeln super.

Zwischendrin lag das Tuch ziemllich lange brach, weil ich lange keine Muse hatte, die über 300 Maschen aus dem schmalen Rand zu stricken. Ich bin mir auch immernoch icht sicher, ob Lace-Stricken wirklich was für mich ist. Ich hab mich an einigen Stellen verstrickt und Lace kann man eben nicht so leicht „repaieren“ wie anderes Gestricktes. Okay, eine Lifeline, also ein durchgezogen Faden, auf dem die Maschen einer Reihe liegen und zu der man dann einfacher zurück ribbeln kann, hätte mir vielleicht an der ein oder anderen Stelle geholfen, aber ich bin bei sowas ja immer eher mutig. Auf der anderen Seite fällt durch das Muster eine einzelne Masche (hoffentlich) nicht so ins Auge.

Vorteilhaft war, dass es nach und nach immer schneller ging und ich selbst überrascht war, das es dann doch so schnell vorankam, als ich dann erstmal den Inneteil angestrickt hatte. Geholfen haben auch viele, viele Maschenmarkierer. Jeden Rapport hae ich markiert, damit ich innerhalb dieser kleinen Strecke schon gemerkt habe, wenn die Maschenzahl nicht stimmte und ich irgendwo einen Fehler gemacht habe, und nicht erst am Reihenende. Das war klassisches Lernen aus Erfahrung, nachdem ich zweimal Reihen zurückstricken musste – was bei Lace nicht so wirklich Spaß macht.

Mit dem Ergebnis bin ich super zufrieden. Es hat Spaß gemacht zu stricken, nachdem ich mich erstmal reingefunden habe. Die Konstruktion find ich sehr interessant. Die Wolle ist wie immer ein Traum. Es fällt sehr schön und ist einfach nur kuschelig. Ich freu mich das Tuch oft zu tragen. Das gesagt: Ich hab immernoch Respekt von Lace, weil es einfach viel Konzentration benötigt. Ich werde jetzt sicher nicht jede Woche ein neues kompliziertes Tuch anschlagen, aber schließe nicht aus, ab und an auch mal so ein Tuch zu stricken.

 

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