Die verstrickte Dienstagsfrage

Das Wollschaf fragt heute:

Am Samstag 09. Juni ist Welttag des Öffentlichen Strickens. Ich finde es eine tolle Idee, rauszugehen und sich zum Stricken und Häkeln zu bekennen. Leider finde ich nur Aktionen, die Mützchen und Decken produzieren, sodass meiner Meinung nach der Wert der Hand-Arbeit hinten ansteht gegenüber der Not, die gelindert werden soll. Oder es sind Aktionen von Woll-Läden, die Kundschaft suchen und einen Werbegag platzieren. Was tut Ihr an diesem Tag, was bedeutet er Euch? Und wie organisiert Ihr Euch dafür?

Vielen Dank an mo-hair für die heutige Frage!

Also ehrlich gesagt wusste ich bis gerade nicht, dass es einen solchen Tag gibt. Es gibt ja mittlerweile für alles einen Tag. Ich bin da gar keine große Freundin von. Warum sollte ich gerade an diesem Tag in der Öffentlichkeit stricken, wenn ich es die restlichen Tage im Jahr eher selten mache. Und was ist für die Leute, die ständig in der Öffentlichkeit Stricken so besonders daran, es an diesem Tag zu tun? Die Aktionen, etwas zu Stricken um es dann zu Spenden und so auf die Armut aufmerksam zu machen, ist da schon sinnvoller. Aber das ist dann wiederum kein Tag des Strickens, sondern ein Tag des Strickens gegen Armut… Ihr seht, ich verlier mich bei solchen Sachen/Tagen gern in Details. Darf ich bitte auch stricken, ohne damit Armut assoziieren zu müssen? Das Stricken ist für mich persönlich ein Ausgleich. Ich bin ein sehr politischer Mensch und engagiert in verschiedensten Bereichen, ich tue mich schwer damit, meinen privaten Ausgleich zu politisieren, dafür ist der mir zu wichtig. Wenn das ein oder andere Stück irgendwann im Oxfam-Laden landet, ist das was anderes, aber der Prozess des Strickens muss für mich unpolitisch bleiben, sonst werd ich wahnsinnig.

Ich werde mit Sicherheit am Samstag stricken, vermutlich aber nicht in der Öffentlichkeit, weil ich am Samstag auf einer Anti-ACTA-Demo bin. Und beim Laufen strickt es sich nicht so gut. 😉 Und nach der Demo geh ich vielleicht ein bisschen in der Stadt spazieren und die Dokumenta-Besucher beobachten (vielleicht seh ich ja den Herrn Gauck, der soll an dem Tag nämlich hier sein). Und dann setz ich mich abends gemütlich auf’s Sofa und strick an meinen grünen Ringelsocken weiter.

0 Gedanken zu „Die verstrickte Dienstagsfrage

  1. Michaela sagt:

    Die hiesige Acta-Demo werde ich nach meinem samstäglichen Auftritt auch mitmachen. Dafür werde ich Häkelzeug dabei haben. Daran arbeitet es sich während der Kundgebungen und der Laufpausen ganz gut. Und es ist seeeehr öffentlich und politisch 🙂
    Wobei der Prozess des Handarbeitens für mich keine politische Bedeutung hat, es ist der reine Spaß an der Tätigkeit und soll nichts symbolisieren.

    • Poppy sagt:

      Ja, ich hatte auch schon überlegt ob ich einfach Strickzeug mitnehmen. Aber ich spring dann doch lieber mit der Kamera durch die Menge und mache Fotos. 😉

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